.באהבה, לא מהעולם הזה / Liebe, nicht von dieser Welt.
.באהבה, לא מהעולם הזה / Liebe, nicht von dieser Welt.
Vergangene Woche ging ich morgens, bevor ich ins Büro gefahren bin, in den kleinen Espressoladen am Ende der Straße. Ich saß auf einem Hocker am großen Fenster, trank Espresso und Wasser, starrte hin und wieder hinaus und las die Süddeutsche Zeitung, als die Tür aufging und eine Frau herein kam, wie ich aus dem Augenwinkel mitbekam. Sie bestellte etwas am Tresen und setze sich mit einer Tasse Kaffee links neben mich, stand sofort wieder auf, ging um mich herum auf die rechte Seite, und nuschelte, ob sie die neben mir liegende, andere Zeitung haben könne. "Klar.", sagte ich, und wies mit der Hand auf diese. Mit meiner Antwort war sie nicht ganz einverstanden. Sie fragte mich harsch, ob ich sie nicht verstanden hätte, sie wolle die Zeitung lesen. Ich überlegte, was an meiner "klaren" Antwort nicht zu verstehen gewesen sei, und sagte: "Ja, machen sie das.". Sie nahm die Zeitung ging wieder um mich herum und setzte sich auf den Barhocker neben mich. Ich beachtete sie nicht weiter. Als ich fertig war, legte ich die Zeitung an die Seite, trank das Wasser aus und nahm mein Glas und meine Tasse, stand auf und wollte es an der Theke abgeben, als sie mich wieder undeutlich ansprach. Ich nahm wahr, dass sie rot geschminkte Lippen hatte, nachgezogene Augenbrauen und Lidschatten. Sie trug eine graue Nonnentracht. Ich runzelte die Stirn. Ich fragte: "Wie bitte?". Sie herrschte mich an: "Sie haben etwas verloren!", und wies mit der Hand auf eine gebrauchte Serviette, die auf dem Boden, entfernt von meinem Platz, lag. Ich blickte ihr in die Augen. Harte, erzieherische Augen, wie ich sie nur aus böse Nonnen-Filmen kannte. Und Lippen, die sie so heftig zusammengepresste, dass sie Falten warfen. Sie mochte irgendwas zwischen 40 und Mitte 50 Jahren alt sein. Schwierig zu sagen. Ich dachte an das katholische Landschulheim in Berla im Sauerland, in dem ich mit 9 Jahren drei Wochen meine Ferien verbrachte, als meine Eltern in den 70ern auf Mallorca waren, und wo wir Sparziergänge machten, Tonnen an Katzengold sammelten, und wo mir die Erzieherin, weil ich während des Mittagsschlafs leise mit meinem Plastikteddy geredet hatte, diesen weggenommen hatte, und sagte: "Nein, ist nicht meins!". In Erwartung, dass ich jetzt trotzdem hinspringe und die Serviette aufhebe, sah sie mich kalt und überrascht an. Wo war da die Liebe Jesu geblieben? "Dann nehmen Sie aber die Tasse mit!", befahl sie, und hielt sie mir hin. Ich nahm sie, stellte sie mit meiner eigenen zusammen auf den Tresen. Armer Jesu, dachte ich, mit der Braut hast du aber keinen Spaß, und durchstach ihr kaltes Herz abschließend mit meinem Blick. #
Vergangene Woche ging ich morgens, bevor ich ins Büro gefahren bin, in den kleinen Espressoladen am Ende der Straße. Ich saß auf einem Hocker am großen Fenster, trank Espresso und Wasser, starrte hin und wieder hinaus und las die Süddeutsche Zeitung, als die Tür aufging und eine Frau herein kam, wie ich aus dem Augenwinkel mitbekam. Sie bestellte etwas am Tresen und setze sich mit einer Tasse Kaffee links neben mich, stand sofort wieder auf, ging um mich herum auf die rechte Seite, und nuschelte, ob sie die neben mir liegende, andere Zeitung haben könne. "Klar.", sagte ich, und wies mit der Hand auf diese. Mit meiner Antwort war sie nicht ganz einverstanden. Sie fragte mich harsch, ob ich sie nicht verstanden hätte, sie wolle die Zeitung lesen. Ich überlegte, was an meiner "klaren" Antwort nicht zu verstehen gewesen sei, und sagte: "Ja, machen sie das.". Sie nahm die Zeitung ging wieder um mich herum und setzte sich auf den Barhocker neben mich. Ich beachtete sie nicht weiter. Als ich fertig war, legte ich die Zeitung an die Seite, trank das Wasser aus und nahm mein Glas und meine Tasse, stand auf und wollte es an der Theke abgeben, als sie mich wieder undeutlich ansprach. Ich nahm wahr, dass sie rot geschminkte Lippen hatte, nachgezogene Augenbrauen und Lidschatten. Sie trug eine graue Nonnentracht. Ich runzelte die Stirn. Ich fragte: "Wie bitte?". Sie herrschte mich an: "Sie haben etwas verloren!", und wies mit der Hand auf eine gebrauchte Serviette, die auf dem Boden, entfernt von meinem Platz, lag. Ich blickte ihr in die Augen. Harte, erzieherische Augen, wie ich sie nur aus böse Nonnen-Filmen kannte. Und Lippen, die sie so heftig zusammengepresste, dass sie Falten warfen. Sie mochte irgendwas zwischen 40 und Mitte 50 Jahren alt sein. Schwierig zu sagen. Ich dachte an das katholische Landschulheim in Berla im Sauerland, in dem ich mit 9 Jahren drei Wochen meine Ferien verbrachte, als meine Eltern in den 70ern auf Mallorca waren, und wo wir Sparziergänge machten, Tonnen an Katzengold sammelten, und wo mir die Erzieherin, weil ich während des Mittagsschlafs leise mit meinem Plastikteddy geredet hatte, diesen weggenommen hatte, und sagte: "Nein, ist nicht meins!". In Erwartung, dass ich jetzt trotzdem hinspringe und die Serviette aufhebe, sah sie mich kalt und überrascht an. Wo war da die Liebe Jesu geblieben? "Dann nehmen Sie aber die Tasse mit!", befahl sie, und hielt sie mir hin. Ich nahm sie, stellte sie mit meiner eigenen zusammen auf den Tresen. Armer Jesu, dachte ich, mit der Braut hast du aber keinen Spaß, und durchstach ihr kaltes Herz abschließend mit meinem Blick. #
halfmanhalfcookie - 2014.06.29, 13:11